Maya (38), Physiotherapeutin

Maya ist Mutter von drei Töchtern. Wir treffen sie zur Mittagszeit in den schönen, hellen Räumen ihrer neuen Praxis für Physiotherapie in der Choriner Straße in Berlin-Mitte. Maya gehört zu den Menschen, deren lebensfrohe und positive Art ansteckend wirkt.

  • Physiotherapeutin
  • 38 Jahre
  • Verheiratet
  • 3 Kinder (5 Jahre, 3 Jahre und 1 Jahr)
  • Beruf des Partners: Arzt in Vollzeit

WAS DAVOR GESCHAH…

Welchen Beruf hast Du ausgeübt, bevor Du Mutter wurdest?
Ich bin Physiotherapeutin und habe in Holland studiert. Das ist dort ein Studiengang von vier Jahren.

Wie viel Stunden hast Du pro Woche gearbeitet?
Nach dem Studium habe ich zuerst begonnen in Düsseldorf zu arbeiten und danach einen Ortswechsel angestrebt und bin nach München gegangen. In München habe ich 40 Stunden pro Woche in einer Klinik mit Erwachsenen und Kindern gearbeitet. Daneben habe ich mich weiter fortgebildet und bin Manual-Therapeutin geworden. Die Tätigkeit in der Klinik hat mich nicht ganz erfüllt, deshalb  habe ich neben den 40 Stunden angefangen zusätzlich in einer Praxis zu arbeiten. Das hat mir so gut gefallen, dass ich meine Stunden in der Klinik auf 20 Stunden gekürzt habe, um 30 Stunden in der Praxis arbeiten zu können. Von da an wusste ich: Eine eigene Praxis ist mein Ziel!

Wie ging es beruflich weiter?
In München habe ich dann meinen Mann kennengelernt, der Arzt ist. Nach einer Weile haben wir gemerkt, dass wir nochmal einen Ortswechsel brauchen. Zusammen sind wir dann nach Berlin gezogen. In Berlin habe ich an einer Klinik eine Stelle als Leitung der Abteilung für Physiotherapie angenommen. Dadurch hatte ich dann nicht nur örtlich, sondern auch beruflich etwas Neues und das wollte ich.

Hast Du zu diesem Zeitpunkt auch schon über eine eigene Praxis gedacht?
Mir war schon damals klar, dass ich bald Kinder bekommen möchte, deshalb wollte ich mit der Praxis noch warten. Der Aufbau einer eigenen Praxis braucht sehr viel Engagement und Zeit. Man muss besonders am Anfang sehr verfügbar sein. Ich hätte die Praxis dann nicht so leicht für einen längeren Zeitraum sofort wieder schließen können, wenn das Baby da ist,

Also war mit Blick auf Deinen Kinderwunsch die Leitungsstelle an der Klinik eher ein Kompromiss?
Ja, genau! Trotzdem habe ich mich natürlich sehr auf diese Stelle gefreut, denn mit der Abteilungsleitung kamen ja auch neue Aufgaben dazu, das hat mich gereizt. Ich habe in der Klinik eine Abteilung mit 13 Mitarbeitern geleitet und Vollzeit gearbeitet.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie hoch war Deine berufliche Zufriedenheit (1 unbefriedigend und 10 exzellent) bevor Du Kinder bekommen hast?
Ich war eigentlich sehr zufrieden, ich würde sagen 10.

Hattest Du weitere Ambitionen bezüglich Deiner Karriere?
Wie gesagt, war mir früh bewusst, dass ich irgendwann meine eigene Praxis haben möchte. Die Eröffnung einer eigenen Praxis hätte ich mir aber während der Schwangerschaft nur schwer vorstellen können. Deshalb habe ich zunächst zurück gesteckt und diesen Plan auf den Zeitpunkt verschoben, wenn unsere Kinderplanung abgeschlossen ist. Die Leitungsposition war eine Art Zwischenziel für mich.

Im Gespräch

ALS DAS BABY KAM…

Wie wurde die Nachricht, dass Du Mutter wirst, in Deinem beruflichen Umfeld aufgenommen?
Ehrlich gesagt, leider nicht so gut. Ich war zwar schon fast zwei Jahre angestellt, hatte aber noch keinen festen Vertrag. Lange habe ich mich nicht getraut zu sagen, dass ich schwanger bin, weil ich geahnt habe, dass es dann Probleme gibt. Irgendwann musste ich es aber sagen, doch leider wurde es nicht gut aufgenommen – weder von meinen Mitarbeitern noch von meiner Chefin. Dann kam auch noch erschwerend hinzu, dass ich vorzeitige Wehen hatte. Schon nach dem 4./5. Monat fing das an. Es bestand die Gefahr einer Frühgeburt, aber ich habe komischer Weise weiter gearbeitet. Das ist mir heute unerklärlich. Ich hatte damals einfach Sorge, meine Arbeit zu verlieren. Und rückblickend glaube ich auch, dass mir gar nicht wirklich bewusst war, was mit meinem Kind hätte passieren können… Trotz der Schwierigkeiten habe ich bis zum Mutterschutz gearbeitet und an meinem letzten Arbeitstag wurde unsere erste Tochter geboren. Sie kam also 6 Wochen vor ihrem eigentlichen Geburtstermin. Zum Glück ist dennoch alles gut gegangen.

Was wurde für die Zeit Deiner Abwesenheit geplant?
Da ich meinen Vertrag nicht verlieren wollte, denn ich war ja – wie gesagt – befristet, habe ich angeboten, dass ich schon nach 8 Monaten wieder arbeiten werde und während der gesamten Zeit meiner Elternzeit in der Führungsposition bleibe und ansprechbar bin. Personalplanung und Organisatorisches sowie Entscheidungen lagen weiter bei mir. Ich habe mit einem Säugling im Arm Teambesprechungen und Bewerbungsgespräche geführt. Das würde ich heute auch nicht mehr machen! (lacht) Ich wollte damals nicht, dass ich meine Leitungsfunktion verliere. Rückblickend muss ich aber sagen, dass es mehr als stressig war. Mit einem Stillkind in der Besprechung und null Verständnis, das einem entgegen gebracht wird! Das würde ich so nicht mehr machen! Ich war in der gesamten Elternzeit immer involviert per Mail, strategisch – immer auf dem neusten Stand. Es war unheimlich anstrengend.

War das ehrenamtlich?
Nicht wirklich, wir haben eine Vereinbarung getroffen, dass mir die Stunden, die ich gearbeitet habe, zu einem späteren Zeitpunkt als Freizeit zur Verfügung stehen.

Wie hast Du Dich im beruflichen Kontext in den Monaten vor der Geburt gefühlt?
Nicht gut, ich fand es ziemlich anstrengend.

Im Gespräch

Die Rückkehr der Kollegin-Mutter …

Du hast also eigentlich nach der Geburt Deiner Tochter keine richtige Auszeit genommen, sondern auch in der Elternzeit die Leitung der Abteilung weiterhin inne gehabt.
Ja, genau. Und 8 Monate nach der Geburt habe ich wieder vor Ort gearbeitet und endlich einen unbefristeten Vertrag gekriegt.

Mit wie vielen Stunden hast Du wieder angefangen?
Ich bin mit 30 Stunden wieder eingestiegen. Das bedeutete aber für mich, dass ich die gleiche Tätigkeit jetzt in 30 Stunden schaffen musste. Also das, was ich vorher in 40 Stunden gemacht habe, musste ich nun mit 10 Stunden weniger schaffen. Dadurch war ich eigentlich dauergestresst.

Wie hast Du die Betreuung Deiner Tochter organisiert?
Mein Mann konnte Elternzeit nehmen. Das hat sehr gut geklappt. Er hat die Zeit genossen und ich konnte mit einem guten Gefühl wieder arbeiten.

Wurde im Büro etwas umstrukturiert?
Ich hatte für die Zeit meiner Abwesenheit eine Stellvertreterin eingestellt, die mich auch vertreten hat, wenn ich nach meiner Rückkehr wegen meiner 30-Stunden in Teilzeit nicht vor Ort war.

Hat sich sonst noch etwas verändert?
Ja, zum Negativen, leider. Es war eher schlecht, dass ich während meiner Elternzeit nicht vor Ort gewesen bin. Man muss sagen, dass in der Zeit meiner Abwesenheit leider auch einiges aus dem Ruder gelaufen ist. Von meiner kinderlosen Vorgesetzten wurde ich dafür in die Verantwortung gezogen. Ich musste, als ich wieder da war, leider mit vielen Dingen, die ich vor meiner Elternzeit aufgebaut hatte, wieder bei null anfangen.

Bei dem ersten Kind bist Du, weil Dein Vertrag noch befristet war, nach 8 Monaten mit 30 Stunden wieder eingestiegen, hast Du vorhin erzählt. Wie war das nach der Geburt Deines zweiten Kindes?
Da ich bei der Geburt meines zweiten Kindes einen unbefristeten Vertrag hatte, habe mich getraut, ein ganzes Jahr Elternzeit  zu nehmen. Dieses Mal war ich die gesamten 12 Monate zu Hause und stand der Klinik nicht zur Verfügung. Nach dem Jahr bin ich wieder in die gleiche Funktion mit 30 Stunden eingestiegen. Dieses Mal gab es auch einen sehr guten Stellvertreter, den ich vor meiner Elternzeit ganz neu eingestellt hatte.

Wie hast Du Dich bei der Rückkehr in den Job nach dem zweiten Kind gefühlt?
Es war schon ein Spagat mit kleinen Kindern in der Kita und einem fordernden Beruf. Meine Kinder waren immer schon um 7 Uhr morgens in der Kita, damit ich in der Klinik früh anfangen und sie früh wieder abholen konnte. Es hat grundsätzlich aber funktioniert. Kritisch wurde es bei Krankheiten der Kinder, weil ich dann ausfiel und da das Verständnis von meiner Vorgesetzten leider null war. Das hat sie mich auch spüren lassen, das war sehr schwierig. Da war mir eigentlich schon klar, dass das auf Dauer so nicht weiter geht. Privat wollten wir noch ein drittes Kind, aber unter diesen Bedingungen und unter diesem Druck konnte ich mir das nicht länger vorstellen. Da war für mich der Absprung schon klar, ich wusste: Nach dem dritten Kind komme ich nicht mehr wieder.

Und wenn die Stimmung anders gewesen wäre, hättest Du es Dir dann vorstellen können, nach dem dritten Kind wieder dort zu arbeiten?
Mein Plan war eigentlich immer: Wenn die Kinderplanung abgeschlossen ist, mache ich mich selbstständig. Vielleicht hätte ich mir mit der Selbstständigkeit bei besseren Arbeitsbedingungen noch etwas Zeit gelassen, vielleicht wäre mir aber auch nur der Abschied schwerer gefallen.

Im Gespräch

Nach dem dritten Kind hast Du wann wieder angefangen zu arbeiten?
Also mit der Planung meiner Selbstständigkeit angefangen und ersten Vorbereitungen begonnen habe ich bereits, als meine dritte Tochter 6 Monate alt war. Da habe ich damit angefangen, eine geeignete Immobilie zu suchen und ein Konzept zu erstellen. Als sie dann 1 Jahr alt war, habe ich angefangen in meiner neuen Praxis zu arbeiten.

Wie gestaltet sich jetzt Dein Aufgabengebiet?
Ich habe keine Personalverantwortung mehr wie in der Klinik, was ich auch gut finde und kann mich jetzt voll und ganz auf die Behandlung konzentrieren und auf mein Konzept.

Wie hast Du Dich bei Deiner Rückkehr in den Beruf gefühlt?
Es ist schon entspannter mit Kindern freiberuflich unterwegs zu sein, als in einer Festanstellung, denn ich kann mir die Arbeitszeiten nun selbst einteilen. Obwohl ich glaube, dass ich jetzt deutlich mehr als 30 Stunden arbeite. Und wahrscheinlich werde ich irgendwann 40 Stunden und mehr arbeiten, weil man natürlich als Selbstständige das ganze Bürokratische mit nach Hause nimmt.  Ich fühle mich jetzt aber viel besser, als vorher mit dem psychischen Druck in der Klinik.

Und auch besser als ohne Beruf?
Ja, auf jeden Fall. Die Arbeit mit meinen Patienten macht mich viel zufriedener, als nur zu Hause zu sein. Ich bin viel ausgeglichener – auch mit den Kindern.

Im Gespräch

Wie hast Du die Kinderbetreuung organisiert?
Alle drei Mädchen sind in derselben Kita und wir haben zwei Personen, die wir im Notfall bitten können, zu babysitten. Wir müssen uns aber auch überlegen, ob wir noch jemanden dazu nehmen, den wir fest anstellen und der die Kinder auch mal zu Aktivitäten am Nachmittag begleitet und uns mit dem Haushalt zur Hand geht oder Einkäufe erledigt. Auf Dauer ist das sonst mit drei Kindern und Beruf nicht zu schaffen. Die Kinder sollen aber auch nicht darunter leiden, deshalb holen wir sie immer spätestens um vier Uhr ab. Das machen in der Regel entweder ich oder mein Mann.

Was hat Dir vielleicht geholfen?
Die Unterstützung meines Mannes, der jetzt beruflich auch für mich zurücksteckt. Das betrifft besonders zwei Nachmittage unter der Woche, an denen ich lang arbeite und er die Kinder früh von der Kita abholt und betreut.

Was war vielleicht ein Hindernis?
Hindernis? Die Kinder! (lacht) Nein, natürlich nicht. Aber ein Hindernis sind die Aktivitäten der Kinder am Nachmittag. Sie wollen zum Singen, zur Logopädie, zu Freunden, zum Tanzen oder zum Sport gebracht werden. Man ist also auch privat immer unter Termindruck.

Wie viele Stunden arbeitest Du wöchentlich und zu welchen Zeiten?
Ich denke momentan sind es schon deutlich mehr als 30 Stunden. Ich bin an manchen Tagen um 7:15 Uhr in der Praxis, damit ich meinen ersten Patienten um 7:30 Uhr behandeln kann. An zwei Tagen arbeite ich bis 22:00 Uhr, um auch spät Patienten behandeln zu können. Und oft habe ich sogar samstags geöffnet.

Hast Du noch Unterstützung von anderen Personen, um Deinen Alltag zu meistern?
Momentan gibt es neben meinem Mann nur zwei Personen, die ich unverbindlich fragen  kann, ob sie mal babysitten. Also eine regelmäßige und verbindliche Unterstützung habe ich noch nicht. Bald plane ich aber in der Praxis noch jemanden anzustellen und nach einer Haushaltshilfe zu suchen.

Wie viel Prozent Unterstützung erhältst Du momentan ungefähr von anderen?
Ungefähr 30 Prozent würde ich sagen.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie flexibel sind die oben genannten Personen, wenn es darum geht, Dich im Alltag zu unterstützen (1: vollkommen unflexibel, 10: extrem flexibel)?
Hm… Ich sage mal so bei 5. Denn so richtig flexibel sind andere dann meistens doch nicht. Über ein Au Pair haben wir auch schon nachgedacht, aber für ein Au Pair trägt man ja auch wieder die Verantwortung. Es ist dann vielleicht, als hätte man noch ein viertes Kind, einen Teenager, im Haus. Außerdem legen wir viel Wert auf unser Familienleben und schätzen die Zeit, die wir für uns alleine haben. Mit einem Au Pair hat immer jemand fremdes noch im Haus…

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie hoch ist jetzt Deine berufliche Zufriedenheit (1 unbefriedigend und 10 exzellent)?
Ganz klar: Wieder bei 10.

Herzlichen Glückwunsch! Aber das wollen wir aber nochmal genauer hinterfragen: Wie hoch war Deine berufliche Zufriedenheit, als Du nach dem ersten Kind wieder in Deinen Beruf eingestiegen bist, wie bei dem Wiedereistieg mit dem Zweiten, wie bei dem Dritten?
Also, bei dem ersten Kind lag sie ungefähr bei 8. Nach der Rückkehr bei dem zweiten Kind vielleicht bei 6 und als das dritte Kind da war, war sie schon auf 1 gesunken.

Warum war das so? Warum bist Du jetzt beruflich so zufrieden?
Weil gegen Ende in der Klinik die Stimmung so schlecht und der Druck so hoch war, dass ich gar nicht mehr zurückkehren mochte. Grundsätzlich wollte ich aber gerne arbeiten, nur eben nicht unter diesen Bedingungen. Jetzt bin ich so zufrieden, weil ich mein eigener Chef bin. Ich kann meine Zeiteinteilung frei gestalten, was mit Kindern sehr wichtig ist und, obwohl ich jetzt mehr Arbeit habe, bin ich viel zufriedener und flexibler.

Hast Du jetzt auch weniger Druck?
Ja, viel weniger!

Was war die schwierigste Situation, mit der Du Dich konfrontiert gesehen hast?
Das kann ich gar nicht so genau sagen. Eigentlich finde ich den Alltag am schwierigsten. Nämlich, sich jeden Tag neu der Herausforderung zu stellen, drei Kinder liebevoll zu erziehen, ein Eheleben zu haben und dann noch beruflich weiter zu kommen.

Wie gehst Du damit um?
Ich nehme es, so wie es kommt. Ich glaube es ist wichtig zu versuchen, dass man selber zufrieden ist, dass man sich auch Zeit nimmt für sich. Und auch, dass man Zeit zu zweit hat, als Paar. Ich weiß, dass das sehr schwierig ist zwischen der ganzen Alltagsorganisation, aber es ist so wichtig. Mein Mann und ich nehmen uns es immer vor.

Und schafft Ihr es auch?
Mal besser, mal schlechter. Aber ich glaube, mit steigendem Alter der Kinder geht die Tendenz nach oben!

Hast Du weitere Ambitionen bezüglich Deiner Karriere?
Ja, wenn alles gut läuft, kann ich mir vorstellen, noch weitere Mitarbeiter einzustellen und noch eine zweite Filiale zu eröffnen.

Würdest Du rückblickend etwas anders machen?
Nein, eigentlich nicht. Ich glaube ich würde die drei Kinder immer in einem so engen Abstand kriegen, wie ich es gemacht habe. Sie sind jetzt 5, 3 und 1 Jahr alt. Vielleicht hätte ich damals in München schon meine eigene Praxis gründen können, das wäre finanziell sicher gut gewesen. Und vielleicht hätte ich meine Kinder doch noch früher kriegen sollen. Es wäre vielleicht gar nicht schlecht gewesen. Ich war damals zwar noch nicht so weit, aber rückblickend wäre das vielleicht gut gewesen.

Warum glaubst Du das? Wäre es entspannter gewesen, wenn Du jünger gewesen wärst, als die Kinder kamen?
Manchmal denke ich, wenn ich meine Kinder mit Mitte 20 gekriegt hätte, dann hätte ich später mit 30 nochmal richtig durchstarten können mit der Karriere. Und zwar durchstarten ohne Unterbrechung. Man wird in seiner beruflichen Entwicklung schon sehr ausgebremst als Mutter. Vielleicht ist man entspannter, wenn man während des Studiums schon ein Baby bekommt. Dann studiert man eben etwas länger, aber man wird nicht mittendrin so ausgebremst. Aber ich weiß es ja auch nicht, wahrscheinlich gibt es den richtigen Zeitpunkt gar nicht. Doch ich habe das Gefühl, dass bei mir mit Mitte 30 so viel los ist. Man steckt mitten in der Karriere, hat vielleicht ein Haus gebaut und vielerlei Verpflichtungen. Ich könnte mir vorstellen, wenn man jünger ist, hat man vielleicht weniger dieser Belastungen und Sorgen. Die eigenen Eltern sind dann auch noch nicht so alt und man ist beruflich noch nicht so weit fortgeschritten, so dass man – was die Karriere angeht – auch noch nicht so viel riskiert…

Eine interessante Überlegung. Vielleicht interviewen wir bald auch mal eine Person, die während des Studiums Mutter wurde…
Wie fühlst Du Dich und was denkst Du, wenn Du Dich mit anderen berufstätigen Eltern vergleichst?
Ich glaube arbeitende Eltern sind grundsätzlich zufriedener. Allerdings beneide ich schon auch Mütter, die zu Hause sind, einfach weil sie mehr Zeit haben. Zufriedener sind sie aber glaube ich nicht, weil man im Beruf doch auch eine andere Art von Bestätigung bekommt.

Was würde Deine berufliche Situation optimieren?
Wenn ich mehr abgeben könnte, wie zum Beispiel den Haushalt.

Im Gespräch

WAS ES SONST NOCH ZU SAGEN GIBT…

Liebe Maya, vielen Dank für das interessante Gespräch. Jetzt hast Du die Gelegenheit noch loszuwerden, was Du sonst noch sagen möchtest.
Der typische Alltagswahn sieht doch so aus: Man hat den ganzen Tag über mit vernünftigen Erwachsenen zu tun, kommt nach Hause und das Chaos macht sich breit. Plötzlich muss man leidenschaftlich über Gummibärchen diskutieren und über andere Dinge, die aus Sicht eines Erwachsenen gar nicht diskussionswürdig sind. Manchmal ist es, als ob man zwei Leben hat. Das zweite Leben ist, was früher die Freizeit war. Freizeit gibt es eigentlich nicht mehr. Deshalb mein Tipp: Die Kinder abends früh und zügig ins Bett bringen, damit man wirklich spätestens um 20:00 Uhr noch etwas vom Abend hat. Dann kann man einen guten TATORT schauen oder sich das ZEITmagazin nehmen. Keinesfalls sollte man mehr E-Mails checken!

Wenn das bei uns klappt, fühlt es sich wunderbar an. Ich muss zugeben, dass mein Mann und ich das an den meisten Abenden aber nicht schaffen. Häufiger sitzen wir jeder am Laptop und checken und beantworten unsere E-Mails. Oder wir räumen das Chaos auf, das unsere drei Mädchen hinterlassen haben. Aber es ist eine Illusion zu glauben, dass man am nächsten Tag weniger Arbeit hat, nur weil man am Vorabend noch E-Mails bearbeitet hat. Lieber sollte man versuchen, den Abend zu nutzen, um zur Ruhe zu kommen.

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Interviews mit Eltern, die ihre Kinder lieben – und ihren Beruf.

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